GALERIE IM THERESIENSTEIN: KATRIN GROTE-BAKER
Energie und was dahinter ist
VON RALF SZIEGOLEIT
HOF – „Open Door“ heißt das
Gemälde, das die Besucher im
Foyer des Hofer Kunstvereins
empfängt: eine freundliche, tatsächlich
frisch-fröhliche Einladung,
fünf Quadratmeter groß
und aussehend wie eine Symbiose
aus Impressionismus und Action-
Painting. Von „Farbspielen“
spricht Katrin Grote-Baker,
die das Bild geschaffen hat. Von
„Explosionen“ spricht sie auch;
im Zusammenklang der Farben
explodieren, so sagt sie, Gefühle
und Ideen. „Kinesis“ (ein griechisches
Wort, das Energie und
Bewegung bedeutet) heißt die
Ausstellung, in der 105 Arbeiten
aus verschiedenen Werkgruppen
zu sehen sind.
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„Carpe diem“
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Die Malerin wurde 1968 in Zeven
bei Hamburg geboren. Sie
studierte Kunstgeschichte in
Berlin; die meisten Einzelausstellungen,
die sie seit dem Jahr
2000 bestritt, fanden in Italien
statt (wo sie derzeit lebt), einige
auch in den USA (von dort
stammt Patrick, ihr Mann). In
Florenz hat sie diverse Preise, vor
allem für ihre Grafik, erhalten.
Grafische Arbeiten, kalligrafische,
zeigt sie auch in der Galerie
im Theresienstein. Es sind Umsetzungen
berühmter Texte von
Horaz („carpe diem“) und Dante
(die ersten Zeilen des „Inferno“).
Schrift, so energisch wie eigenwillig
zu Papier gebracht, wird
eindrucksvoll zum Bild und zum
Farb-Form-Ereignis – nahezu
abstrakt.
Auch in ihre Gemälde
„schreibt“ Grote-Baker hinein,
nun allerdings – mit dem Graphitstift
– absichtsvoll so, dass
man gar nicht erst auf die Idee
kommt, dies könnte lesbar sein.
Sie will, wie sie in einem Text zu
den „explosiven“ Bildern mitteilt,
etwas übermitteln, was in
Worte nicht zu fassen ist: „Das
Unbekannte willkommen heißen,
ohne zu wissen, wie es
heißt.“ Die Titel jedoch, mit denen
sie die Resultate der spontan-
vitalen Malprozesse versieht,
weisen auf Bekanntes und
Banales hin: „meeting a friend“,
„thinking of you“, „sunshine in
my soul“. Sichtlich ist Zufall im
Spiel – und Beliebigkeit auch.
Eine ihrer früheren Bilderschauen
hat Grote-Baker unter
dem Motto „From the other
Side“ präsentiert. Von der anderen
Seite: Es gehe ihr, sagt sie,
vorrangig um das, was „dahinter“
ist; und sie sagt, dass sie ihre
Kunst auch als „Lebensforschung“
verstehe. Tiefgründig
geraten ihre „Traumlandschaften“,
in denen sich Blau und
Grün, in vielen Schichten aufgetragen,
zu einem reich strukturierten,
nuancierten Grün vermischen
und verdichten. In
solch undefinierter Örtlichkeit
pflegt, an einer waagrechten Linie
platziert, ein Objekt (Haus?)
aufzutauchen. Den Betrachter
bringt es (so ein Bildtitel) „auf
den Weg“ – jenen, an dem die
letzten, die großen Fragen sich
stellen: woher, wohin?.
„Passo e resto, come l’universo“
– sich bewegen und ruhen,
wie das Universum: noch ein
Text, den Grote-Baker grafischer
Aufarbeitung unterzieht. Aber
auch ganz ohne philosophischen
Anspruch äußert sie sich
gern: Bescheiden als „Liebesbriefe“
tritt eine Reihe bunter
Kleinformate auf, vor denen der
„Leser“ seiner Fantasie freien
Lauf lassen mag.
Zur guten Stimmung bei der
Vernissage am Mittwochabend
trug Ex-Theater-Hof-Opernsänger
James Clark mit elegantem
Klavierspiel bei. Neu für den
nun im elften Jahr agierenden
Kunstverein waren auch das stilvolle
Büfett und der am Treppenaufgang
– vor der „Open
Door“ – erhobene Eintrittspreis.
Bis zum 18. Februar; donnerstags
bis sonntags jeweils von
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